Die Chronik der Stadtkapelle Fridingen

Jede Geschichte hat ihre Vorgeschichte. So beginnt auch die Geschichte der Stadtkapelle Fridingen nicht aus einem absoluten Nichts heraus, sondern die Gründungsväter konnten im Jahr 1912 auf eine alte Musikantentradition und auf eine musikbegeisterte Einwohnerschaft aufbauen. So findet sich im Jahr 1615 der erste Musikus, der Trommler Konradt Henne (Heni). Die erste urkundliche Erwähnung einer Musikantengruppe fällt in das Jahr 1765. Im Rechnungsbuch der Fridinger Heiligenpflege ist die Entlohnung von Musikanten bei kirchlichen Anlässen vermerkt. Es heißt dort: In Festo Corporis Christi (Fronleichnam) dem Herrn Kaplan, den Musikanten und Himmelträgern wie jährlich bezahlt 4 Gulden und 12 Kreuzer.

1800 erfahren wir von weiteren Musikanten, die im „Löwen“ den Besatzungstruppen der napoleonischen Kriege aufspielen mussten. 1806 tritt das „Bürgermilitär“ in Erscheinung. Beim Übergang der Grafschaft Hohemberg an Württemberg gestaltet das Bürgermilitär die Huldigungsfeier. „Schon am 14. abends ist das Bürgermilitär von Fridingen mit Türkischer Musik allhier eingezogen, hat vor dem Logis des Huldigungs- Commissars und den zur Verherrlichung des Festes errichteten Ehrenpforten seine Wache gehalten.“ (Spaichingen 16.10.1806). Die mündliche Überlieferung besagt, dass in den folgenden Jahren eine Musik in Fridingen bestand, die um 1850 und später die Hochzeitspaare mit Marschmusik in die Kirche begleitete. In den folgenden Jahren finden wir immer wieder Eintragungen in den Pfarrbüchern und den Gemeindeprotokollen, die die Existenz von Blaskapellen bzw. Gruppen belegen. Dass diese erwähnten Musiker nicht nur kirchliche Musik spielten, beweisen die vielen Verbote kirchlicher Seite, den Besuch von Tanzveranstaltungen durch Kinder zu verhindern.
1860 fällt erstmals der Begriff „Stadtmusik“. In einem Bericht über das Richtfest am Fabrikgebäude des Tuttlinger Kaufmanns Storz an der Bära (heute Hammerwerk) heisst es: „Von der Sonne aus zogen die Handwerksleute unter Vorantritt der Stadtmusik zu den Fabrikgebäuden“. Am 11.02.1862 wird im Stadtrat ein Gesuch behandelt „eine Blasmusik zu errichten“. „Die hiesigen Musiker beabsichtigen eine Blasmusik zu errichten“. Sie suchen bei der Stadt an, Ihnen 50 fl aus der Stadtkasse für Instrumente vorzustrecken. Da nun hier gerne gesehen wird, dass in der Musik Fortschritte gemacht werden, steht der Rat dem Ansuchen positiv gegenüber. 25 fl müssen in Raten wieder zurückbezahlt werden. Aber „um Ihnen mehr Mut und Eifer einzuflössen, wird Ihnen zu diesem Zweck noch ein weiterer Betrag von 25 fl verwilligt, den sie nicht mehr zu ersetzen haben sollen“.
In den folgenden Jahren erfahren wir erstmals Namen von Musikanten. So gründete Anton Riedinger eine Blasmusik, die „Riedingermusik“, die von seinem Sohn Wunibald Rudolf („Böhmermusik“) und dessen Sohn Josef Rudolf weitergeführt wurden. Um 1900 trennten sich dann Moritz Heni und seine Verwandten von der Riedinger-Rudolf- Musik als „Heni-Musik“.

Der Vater der Stadtkapelle, Meinrad Schreiber, trat als 14-jähriger der „Riedinger-Musik“ bei, bevor er 1912 eine eigene Musikkapelle gründete. Ihr gehörten an: Meinrad Schreiber als Dirigent, Johannes Bleher, Martin Schnell, Josef Hipp, Wilhelm Haller, Melchior Hipp und Thomas Hipp, als Zöglinge Anton Hipp und Eugen Haller. Das Amt des Vorstandes wurde von Josef Hipp für 1 Jahr übernommen.
Nach kurzer anfänglicher Blüte brachte der 1. Weltkrieg alle Aktivitäten zum Erliegen. Wiederum war es Meinrad Schreiber, welcher 1919 die „Stadtmusik“ neu organisierte und zum Leben erweckte. Schon nach kurzer Zeit war die Kapelle aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Unter der Stabführung von Meinrad Schreiber nahm die Kapelle erstmals an einem Wertungsspiel teil. Am 1. Juli 1923 errangen die Musiker beim Oberschwäbischen Musikfest in Mengen einen II1-Preis in der Unterstufe. Neben der Tätigkeit als Dirigent von 1912-1940 übernahm Meinrad Schreiber auch den Vorsitz der Musik und führte dieses Amt bis 1933, in welchem er von Eugen Haller als 1. Vorstand abgelöst wurde. Mit Konrad Heni ab 1935 und Andreas Schnell ab 1937 übernahmen 2 weitere Musiker die Verantwortung als 1. Vorsitzende. In die Zeit der Amtsführung Meinrad Schreibers als Vorstand fiel die Anschaffung der blauen Spielanzüge. 1931 wurde unter seiner Leitung das 6. Verbandsmusikfest des württembergisch-badischen Musikverbandes ausgerichtet. 1933 nahm man am 1. Bundesmusikfest in Freiburg teil. Bis 1941 übernahm Konrad Heni die Leitung der Stadtkapelle.
Bei dem Schlossbrand im Januar 1941 wurde der gesamte Notenbestand und die große Trommel vernichtet. Nun mussten die Aktivitäten der Stadtmusik vollends eingestellt werden. Konrad Heni trat als 14-jähriger im Jahr 1919 der Stadtmusik bei. Als Flötist übernahm er im Jahr 1927 die Aufgabe des stellvertretenden Dirigenten. Gleichzeitig wurde ihm die Ausbildung von Zöglingen übertragen. Als Leiter von verschiedenen Jugendkapellen und deren Ausbilder stellte Konrad Heni bis zum Jahr 1940 den Nachwuchs der Stadtmusik sicher.

Nach dem Krieg, im Jahre 1945, war Konrad Heni die treibende Kraft um die Stadtkapelle wieder zu aktivieren. Unter der Leitung von Konrad Heni erreichte die Stadtkapelle einen überregionalen Ruf als hervorragende Oberstufenkapelle. Unter seiner Führung besuchte die Stadtkapelle insgesamt 16 Wertungsspiele, die Jugendkapelle 3 Wertungsspiele. Von 1954-1971 stand Johannes Hipp Konrad Heni als stellvertretender Dirigent und Jugendleiter zur Verfügung. Johannes Hipp besuchte mit der Stadtkapelle 1 Wertungsspiel und mit den Jugendkapellen 4 Kritikspiele. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent übernahm Konrad Heni von 1940-1951 und von 1955-1965 wiederum das Amt des ersten Vorsitzenden. 1951 wurde er von Matthias Hipp abgelöst. 1952 konnte die Stadtkapelle unter dem Vorsitz von Matthias Hipp und unter Dirigent Konrad Heni das 4. Kreismusikfest ausrichten. An diesem Kreismusikfest wurde auch die heute noch bestehende Freundschaft mit der Bürgermusik Höchst besiegelt. 1953 konnte die Stadtkapelle mit Unterstützung der Stadtverwaltung eine neue Einheitskleidung anschaffen. 1954 gab Matthias Hipp die Aufgaben des 1. Vorsitzenden an Ernst Schnell weiter.

1956 entschlossen sich die Musiker unter Vorstand und Dirigent Konrad Heni ein eigenes Probelokal zu bauen. Für diese Entscheidung sind die Musiker der Stadtkapelle der heute noch dankbar. 1965 übernahm Franz Hipp die Verantwortung für die Stadtkapelle als 1. Vorsitzender. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Einweihung einer neuen Einheitskleidung, deren Anschaffung noch unter dem Vorsitz von Konrad Heni beschlossen wurde. Unter Vorstand Franz Hipp und Dirigent Konrad Heni war die Stadtkapelle 1972 Ausrichter des 18. Kreismusikfestes. Gleichfalls unter beider Regie wurde im darauffolgenden Jahr 1973 das Probelokal erweitert. Unter der Führung von Konrad Heni bestanden im Laufe der Zeit mehrere Tanzkapellen, bei denen er am Anfang selbst mitspielte. Als Meilensteine des musikalischen Wirkens von Konrad Heni können das 1960 besuchte 1. Landesmusikfest in Ebingen und die Teilnahme am Bundesmusikfest 1968 in Sindelfingen angesehen werden. Das Jahr 1973 wurde für Konrad Heni zum musikalischen Höhepunkt seiner gesamten Laufbahn als Musiker und Dirigent. In diesem Jahr besuchte die Stadtkapelle insgesamt 3 Wertungsspiele. Beim letzten Wertungsspiel in Dietingen wurde die Leistung der Stadtkapelle mit einem 1. Rang mit Auszeichnung bewertet und somit der Höhepunkt des musikalischen Wirkens von Konrad Heni gesetzt. Kurz vor der Niederlegung des Dirigentensamts wurde Konrad Heni das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Diese Auszeichnung macht deutlich, welche Leistung Konrad Heni für die Stadtkapelle und die Volksmusik vollbracht hat. Doch bevor Konrad Heni in seinen wohlverdienten Ruhestand ging, stellte sich die Frage nach einem geeigneten Nachfolger. Hier ist es vor allem dem damaligen Vorstand Franz Hipp zu verdanken, dass in Roland Bässler ein Mann gefunden wurde, welcher nicht nur ein geeigneter Nachfolger Konrad Heni´s darstellte, sondern auch gekonnt die Musiker und die Bevölkerung begeisterte.

Im Herbst 1973 übergab Konrad Heni den Dirigentenstab an Roland Bässler. Im Januar 1974 wurde Konrad Heni mit einem großen Konzert als Dirigent verabschiedet. Gleichzeitig stellte sich der neue Dirigent Roland Bässler in eindrucksvoller Weise vor. Roland Bässler war der erste Berufsmusiker, der die Stadtkapelle leitete. 1976 stand Vorstand Franz Hipp wieder vor der schwierigen Aufgabe einen geeigneten Dirigenten für die Stadtkapelle zu suchen, denn Roland Bässler hatte aus beruflichen Gründen sein Amt als Dirigent niedergelegt. Er hatte sich während seines Wirkens bei der Stadtkapelle große Sympathien bei der Bevölkerung erworben. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger stellte sich als sehr schwierig heraus und dauerte nahezu 2 Jahre. In der Zeit der Dirigentensuche erklärte sich Musikdirektor Volkmar Müller-Deck aus Tuttlingen bereit, die Stadtkapelle bis zur Neubesetzung der Dirigentenstelle, kommissarisch zu übernehmen. Im Sommer 1978 konnte im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung Fridingen und der Musikschule Tuttlingen Josef Földi für das Dirigentenamt verpflichtet werden. Mit Josef Földi übernahm ein weiterer Berufsmusiker die Führung der Stadtkapelle. Am 30.3.79 verstarb völlig unerwartet unser Ehrenvorstand und Ehrendirigent Konrad Heni. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und Abordnungen des Blasmusikverbandes und befreundeter Kapellen konnte die Stadtkapelle Ihren verdienten Altdirigenten zur letzten Ruhestätte geleiten. Im Januar 1980 kandidierte der bisherige Vorsitzende Franz Hipp nach 15-jähriger Tätigkeit nicht mehr für das Amt des 1. Vorsitzenden. Franz Hipp vertrat die Meinung, die Führung der Stadtkapelle nach so langer Zeit in jüngere Hände zu legen. Franz Hipp wurde im Laufe seiner Funktion als 12. Vorsitzender der Stadtkapelle mit vielen Ehrungen ausgezeichnet. So bekam er neben anderen Auszeichnungen wie der Ehrenmedaille der Stadt Fridingen schon im Jahre 1972 das Kreisverbandsehrenzeichen in Gold des Blasmusikverbandes Schwarzwald-Süd Rottweil-Tuttlingen.

Ab 1980 übernahm der bisherige 2. Vorsitzende Karl Schnell die Verantwortung für die Stadtkapelle. Josef Földi leitete die Stadtkapelle bis zum Herbst 1982. Unter seiner Führung nahm die Stadtkapelle 1980 und 1981 wieder an Wertungsspielen teil. Im Laufe des Jahres 1981 wurde das Thema Einheitskleidung wiederum akut. Gleichzeitig bot es sich an, zum bevorstehenden 70-jährigen Jubiläum eine neue Einheitskleidung zu präsentieren. Im Rahmen des 70-jährigen Jubiläumsfestes wurde der ehemalige Vorsitzende Franz Hipp aufgrund seiner großen Verdienste um die Stadtkapelle zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Im Herbst 1982 übernahm Hans Schwarz, der seit 1973 das Amt des stellvertretenden Dirigenten inne hatte, als musikalischer Leiter die Stadtkapelle. Mit Hans Schwarz wurde seit 1973 wieder ein Musiker aus den eigenen Reihen Dirigent der Stadtkapelle. Hans Schwarz trat 1960 der Stadtkapelle als Zögling bei. Nach der Ausbildung als Flügelhornist wechselte er auf die Posaune. 1969 übernahm Hans Schwarz das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden, welches er bis 1975 inne hatte. Ab 1973 übernahm er als Vizedirigent die Ausbildung der Jugendlichen und die Leitung der Jugendkapelle. In der Zeit seiner Tätigkeit als Jungendleiter und jetziger Dirigent der Stadtkapelle besuchte Hans Schwarz mit der Jugendkapelle 9 Kritik- und Wertungsspiele. Mit der Stadtkapelle besuchte Hans Schwarz 8 Wertungsspiele. Als Meilenstein seiner bisherigen Amtszeit kann die Teilnahme am Bundesmusikfest 1989 in Trier angesehen werden. Im Jahre 1986 löste Albert Schiele Karl Schnell als 1. Vorsitzenden der Stadtkapelle ab. 1990 übernahm Karl Schnell erneut das Amt des 1. Vorsitzenden. Im gleichen Jahr übernahm Andreas Rommel als Dirigent die Jugendkapelle bis 1995. 1996 wurde Karl Schnell von Georg Hipp als 1. Vorsitzender abgelöst. Von 1999 bis 2006 übernahm Volker Herrmann die Jugendkapelle als Dirigent. Ab Juni 2006 ist nun Michael Eble musikalischer Leiter der Jugendkapelle. Georg Hipp übte das Amt des ersten Vorsitzenden bis 2010 aus. Unter seiner Führung wurde 2002 eine neue Einheitskleidung angeschafft und im selben Jahr ein großes Musikfest zum 90-Jährigen bestehen abgehalten.